Margot Litten hat mit ihrem Ansatz „Was ich dir noch sagen wollte“ einen besonderen Zugang zur Biografie- und Trauerarbeit geschaffen.
Im Mittelpunkt steht die menschliche Erfahrung, dass in Beziehungen vieles unausgesprochen bleiben kann – Worte des Dankes, der Liebe, der Anerkennung, der Klärung oder des Abschieds.
Ihr Konzept lädt dazu ein, den inneren Dialog mit wichtigen Menschen des eigenen Lebens aufzunehmen und dem Ausdruck zu geben, was vielleicht nie gesagt werden konnte.
Dabei geht es nicht darum, Vergangenes zu verändern, sondern Beziehungen, Erinnerungen und Gefühle bewusst wahrzunehmen und einen persönlichen Umgang mit ihnen zu finden.
Dieser Ansatz kann besonders in Lebensphasen bedeutsam sein, in denen Menschen auf ihr Leben zurückblicken: im Alter, bei schweren Erkrankungen, in Zeiten des Abschieds oder bei der Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit.
Interview: Die besondere Weise des Vorgehens von Margot Litten
Was ist das Besondere an der Arbeit von Margot Litten mit „Was ich dir noch sagen wollte“?
Die besondere Qualität dieses Ansatzes liegt darin, dass nicht das Ereignis allein im Mittelpunkt steht, sondern die Beziehung und die persönliche Bedeutung, die ein Mensch damit verbindet. Es geht um einen geschützten Raum, in dem das zur Sprache kommen darf, was im Leben vielleicht keinen Platz gefunden hat.
Wie gestaltet sich der Prozess?
Ausgangspunkt ist meist eine persönliche Begegnung oder Beziehung, die für den Menschen bedeutsam ist. Durch behutsame Fragen und eine achtsame Begleitung entsteht die Möglichkeit, Erinnerungen, Gefühle und Gedanken wahrzunehmen. Der Mensch entscheidet selbst, was er erzählen möchte und welchem Thema er sich nähern möchte.
Dabei wird nicht bewertet oder interpretiert. Vielmehr geht es um ein wertschätzendes Zuhören und darum, die eigene Lebensgeschichte mit ihren hellen und schwierigen Seiten anzunehmen.
Welche Rolle spielt das Aussprechen?
Viele Menschen tragen unausgesprochene Worte in sich: Dankbarkeit, Liebe, Bedauern, Versöhnungswünsche oder Dinge, die sie gerne noch mitgeteilt hätten. Das bewusste Formulieren dieser Gedanken kann helfen, innere Bewegungen wahrzunehmen und Beziehungen in einer neuen Weise zu betrachten.
Warum ist dieser Ansatz besonders im Alter oder bei Krankheit bedeutsam?
In bestimmten Lebensphasen gewinnt die Rückschau an Bedeutung. Wenn körperliche Veränderungen, Verluste oder die eigene Endlichkeit stärker ins Bewusstsein treten, entstehen häufig Fragen nach dem Sinn und der Bedeutung des eigenen Lebensweges.
Diese Form der Biographiearbeit bietet die Möglichkeit, das eigene Leben als Ganzes zu betrachten: Was hat mich geprägt? Was durfte ich erfahren? Was möchte ich weitergeben? Was darf in Frieden seinen Platz finden?
Wie verbindet sich dieser Ansatz mit der Biographiearbeit nach Rudolf Steiner?
Die anthroposophische Biographiearbeit betrachtet den Menschen als ein Wesen in Entwicklung. Der Lebensweg wird nicht nur als Abfolge von Ereignissen gesehen, sondern als individueller Entwicklungsprozess, in dem Begegnungen, Herausforderungen und Erfahrungen eine Bedeutung gewinnen können.
Der Ansatz „Was ich dir noch sagen wollte“ ergänzt diese Sichtweise um die Beziehungsebene: Der Mensch wird nicht nur über seine Erlebnisse betrachtet, sondern über die Menschen, mit denen er verbunden ist, und über das, was durch diese Begegnungen in seinem Leben entstanden ist.
Was kann eine solche Begleitung bewirken?
Sie kann helfen, die eigene Geschichte bewusster wahrzunehmen, Erfahrungen zu würdigen und einen inneren Zusammenhang zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu entdecken. Im Mittelpunkt steht dabei nicht das Vergessen oder Verändern der Vergangenheit, sondern ein bewussterer und versöhnlicher Umgang mit dem eigenen Lebensweg.