Barbara Angerer GmbH

Physiotherapiepraxis, Tinning 19, 83083 Riedering

Unser Büro ist wegen Krankheit an folgenden Tagen nicht besetzt: Am 27. und 29.07. sowie am 05. und 06.08.2026.

Biografiearbeit

Den eigenen Lebensweg verstehen und würdigen

Mein Projekt - Protokoll von Sophia Coper

Kreativ und unternehmerisch, sozial und engagiert: Münchner'innen stellen Projekte vor, die sie entwickelt haben oder für die sie sich einsetzen. Diesmal: Margot Litten, Gründerin von „Was ich dir noch sagen wollte". Das Projekt bietet Menschen an, ihre Lebensgeschichte auf CD aufzunehmen.

Was bleibt von einem Menschen, wenn er stirbt? An welche Momente, Worte, Gesten werden Partner*in, Verwandte, Freund'innen sich erinnern - oder erinnern können? Vielleicht waren die Kinder zu klein für nachhallende Gespräche, vielleicht die Hemmungen zu groß, um die innersten Gedanken mit der Familie zu teilen. Was wollte man den Personen, die einem nahestehen, immer sagen - und hat es doch nie geschafft?

Wer am Rande seines Lebens steht, spürt oft, wie viel Unausgesprochenes noch in ihm schlummert. „Was ich dir noch sagen wollte" heißt mein Projekt, das ich seit 2019 mit Unterstützung der Bayerischen Krebsgesellschaft und gefördert von der Dr. Hans Feith und Dr. Elisabeth Feith Stiftung ehrenamtlich durchführe. Ich gebe Menschen die Möglichkeit, ihre Lebensgeschichte zu erzählen und kostenlos in CD-Form aufzubewahren.

Meistens kommen sie bei mir in der Wohnung vorbei, ich schalte das Mikrofon ein und beginne Fragen zu stellen. Im Gespräch entfernen wir uns von biografischen Eckdaten, vielmehr geht es um das, was ihnen all die Jahre im Kopf herumgeflogen ist, was sie gefühlt haben, was ihnen wichtig gewesen ist.

Während der Aufnahme treten manchmal Dinge zutage, mit denen meine Gesprächspartner*innen selbst nicht gerechnet hätten. Öfters merke ich, dass jemand bestimmte Themen umschifft. Hake ich dann nach, bricht es plötzlich aus ihnen heraus, die vermeintlich heile Welt bekommt Risse. Im Nachhinein höre ich manchmal, dass sie durch das Erzählen viel über sich selbst gelernt haben. Vielleicht fällt es leichter, fremden Person zu öffnen.

Über die Jahre habe ich mit fast so Leuten gesprochen. Da war ein kranker Mann, der sein Todesdatum bereits festgelegt hatte und davor alles selbstbestimmt regeln wollte. Oder eine junge Frau, die bereits im Sterben lag und unbedingt ihrem kleinen Sohn etwas hinterlassen wollte.

Nach der Aufnahme bearbeite ich das Material: Ich schneide, mische Musik dazu, brenne vier bis fünf CDs und verschicke sie an meine'n Gesprächspartner*in. Die bestimmen dann, wem sie wann etwas weitergeben. Natürlich lassen sich Lebenserinnerungen auch schriftlich festhalten - doch wenn man die Stimme eines Menschen hört, entsteht sofort eine ganz andere Nähe.

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